Zwei Ermittler, die eine undefinierbare bis ins Bett reichende Beziehung zueinander und scheinbar ein Abo auf Schicksalsschläge haben, eine komplett ausgelöschte Familie und ein wenig geschichtsträchtige Ethnologie will Linda Castillo zu einem Thriller formen. Gelungen ist ihr das nicht.



Schreiben ist auch nur ein Handwerk

Himmel! Selten hat mich ein Schreibstil so aufgeregt wie der von Linda Castillo. Wobei das natürlich auch die Übersetzer verbockt haben können.

In keinem anderen Thriller werden die Gefühle der Cops so oft beschrieben, wie in diesem Buch. Wenn dies schon sein muss, könnte die Auswahl der Adjektive etwas größer sein. Parallelen zur Ermittlerin werden dauernd angedeutet, aber nicht restlos aufgeklärt. Da dies das erste Buch der Autorin war, weiß ich nicht, ob in anderen Büchern Burkholders Vergangenheit thematisiert worden war. Ich fand es jedenfalls nervig, mir dauernd was zusammenreimen zu müssen und empfinde es als äußerst unglaubwürdig, wenn Jemand, der so traumatische Erlebnisse hinter sich hat, tatsächlich ein Ermittlerteam der Mordkommission leitet. Unsinnigerweise ist das noch nicht genug. Auch der Lover, ebenfalls Ermittler mit traumatischer Vergangenheit, findet ausgerechnet in diesem Fall Parallelen zu seinen eigenen Erlebnissen wieder, wird vom Dienst suspendiert und darf unerlaubterweise trotzdem mitermitteln.

Für den grenzdebilen Leser

Für wen schreibt Castillo eigentlich? Rechnet sie wirklich damit, dass den Lesern die ständigen Wordwiederholungen nicht auffallen? Auch Erklärungen rund um die Amish-People werden sicherheitshalber mehrmals abgegeben, damit auch der letzte deppige Leser sich merkt, was die Rumspringa ist. Dafür führen an den Haaren herbeigezogene Hinweise zu verblüffenden Erkenntnissen und ellenlange wortgetreue Wiedergaben der Verhöre zu langer Weile.

Die Story hätte gut werden können, wenn nicht sofort der Gedanke an einen erfolgreichen Film sich aufgedrängt hätte und die Autorin das kreative Schreiben beherrschen würde. Ein Spannungsbogen baut sich nicht wirklich auf. Der Täter ist den Lesern bekannt, bevor die Auflösung kommt.

Fazit

Wer die Autorin bisher nicht kennt, sollte weder Lebenszeit noch Leselust auf dieses Buch verschwenden.